Verfasst am: 30.08.2008, 14:15 Titel: Manipulationsverdacht bei WM 06 und in BuLi
WETTBETRUG Manipulationsverdacht bei WM 2006 und in der Bundesliga
Vier Millionen Euro auf einen Heimsieg: Nach Informationen des SPIEGEL soll ein malaysischer Wettpate Ende 2005 zwei Bundesliga-Spiele verschoben haben. Auch das WM-Achtelfinale zwischen Ghana und Brasilien steht den Recherchen zufolge unter Manipulationsverdacht.
Auf den Spuren der Wettmafia: Ein malaysischer Wettpate soll zwei Bundesliga-Spiele und das Achtelfinale der WM-Endrunde 2006 in Deutschland zwischen Ghana und Brasilien verschoben haben.
Drei Jahre nach dem Fall Robert Hoyzer muss sich der deutsche Fußball erneut mit Manipulations-Vorwürfen auseinandersetzen. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel soll ein malaysischer Wettpate Ende 2005 zwei Bundesliga-Spiele verschoben haben.
DFL und DFB prüfen angebliche Manipulation von Bundesliga-Spielen
(...) Die Deutsche Fußball Liga (DFL) und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) prüfen Hinweise auf mögliche Spielmanipulationen durch einen malaysischen Wettbetrüger. Wie die DFL mitteilte, wurde am Samstag das Unternehmen Sportradar mit einer Analyse zweier Partien beauftragt.
Das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" hatte vorab von den beiden angeblich auffälligen Spiele berichtet. Dabei handele es sich um die Erstligapartie zwischen Hannover 96 und dem 1. FC Kaiserslautern vom 26. November 2005 sowie um das Zweitligaspiel Karlsruher SC gegen Sportfreunde Siegen am 7. August 2005.
Dem Blatt zufolge soll ein im Juni 2007 verurteilter Malaysier bei asiatischen Wettanbietern auf die Partien insgesamt knapp sieben Millionen Euro gesetzt und mehrere Millionen gewonnen haben. Er habe mit Spielern der Mannschaften mit Ausnahme Hannovers Kontakt gepflegt. Die Spieler, die laut "Spiegel" angeblich Verbindung zu dem Wettpaten gehabt haben sollen, wiesen die Vorwürfe dem Bericht zufolge zurück.
Der "Spiegel" stützte seinen Bericht auf Unterlagen des Ermittlungsverfahrens gegen den Malaysier (...)
DFL und DFB lagen nach eigenen Angaben bislang keine Hinweise auf mögliche Manipulationen der genannten Begegnungen vor. Ligaverbands-Präsident Reinhard Rauball und DFB-Präsident Theo Zwanziger betonten, beide Verbände strebten eine umfassende Aufklärung an.
Der Malaysier hatte vor Gericht Versuche eingeräumt, Fußballpartien durch Bestechung von Spielern zu manipulieren und dabei auch mitangeklagte Fußballprofis belastet. Das Landgericht Frankfurt am Main hatte den Angeklagten laut "Spiegel" zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt. Der Malaysier sei jedoch auf Kaution freigelassen worden und untergetaucht (...)
(...) Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) haben zu den jüngsten Wett- und Manipulationsvorwürfen eine gemeinsame Presseerklärung veröffentlicht.
(...) dpa dokumentiert die gemeinsame Stellungnahme im Wortlaut:
"DFB und Ligaverband hatten bislang keine Anhaltspunkte, dass die genannten Begegnungen manipuliert worden sein sollen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Verdachtsmomente bekräftigen DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger und Ligaverbands-Präsident Dr. Reinhard Rauball, dass beide Verbände eine umfassende Aufklärung der Angelegenheit anstreben und die Täter bei nachweisbaren Verfehlungen konsequent nach allen Möglichkeiten bestraft werden. Bereits am Samstagvormittag wurde das Unternehmen Sportradar mit einer Analyse der genannten Begegnungen beauftragt.
Im Rahmen des Wettskandals 2005, der bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag am 28. April 2005 in Mainz aufgearbeitet wurde, sind alle notwendigen Regelungen getroffen worden, dass eventuelle Spielmanipulationen mit der notwendigen Konsequenz geahndet werden können. In den aktuellen Fällen wird daher zeitnah alles, was an belegbaren Fakten zusammen getragen werden kann, gewissenhaft von DFB und DFL überprüft. Falls es erforderlich sein sollte, werden dabei die DFB-Rechtsgremien sofort Ermittlungen einleiten und ihre Entscheidungen treffen. Darüber hinaus werden DFB und Ligaverband wie in der Vergangenheit auch die zuständigen Strafverfolgungsbehörden auf Wunsch bei ihrer Arbeit unterstützen."
Der ehemalige KSC-Profi Sean Dundee hat bestätigt, dass er für Spielmanipulationen angeworben werden sollte. Im Sommer 2005 sei Dundee von einem Mann angesprochen worden, der sich als Fan ausgab, berichtet das ARD-Magazin „Fakt“. „Der hat nur gesagt, ob ich mir vorstellen kann für Geld - 10-, 15-, 20 000 Euro - einen Elfmeter zu verschießen. Ich habe gesagt, so etwas mache ich nicht“, wird Dundee in einer Pressemitteilung der ARD zitiert. Der 35 Jahre alte frühere Fußball-Profi, der seine Laufbahn mittlerweile beendet hat, bestätigte auch, dass zwei weitere KSC-Spieler angesprochen wurden.
(...) Die jüngsten Wett- und Manipulationsvorwürfe haben für Unruhe in Fußball-Deutschland gesorgt. Jetzt rudert der Auslöser der Debatte zurück. Der kanadische Buchautor Declan Hill relativierte die Behauptungen über einen möglichen neuen Wettskandal im deutschen Profi-Fußball.
"Ich habe nie gesagt, Bundesliga- oder WM-Spiele seien manipuliert worden", erklärte Hill: "Ich bin in diversen Medien falsch zitiert worden." Warum Hill die seit Samstag kursierenden Meldungen nicht früher korrigiert hat, scheint offensichtlich: Heute stellte er sein neues Buch über illegale Wett-Praktiken in Asien vor (...)
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