Verfasst am: 16.06.2010, 12:55 Titel: Gedanken zur WM
Eigentlich eine Schularbeit; passt aber meiner Meinung nach auch in dieses Forum. Viel Spass beim Lesen, Rückmeldungen werden gerne angenommen.
Gedanken zur WM
Seit dem Anfang dieses Jahres, oder sogar schon vorher, wird nur noch über ein Event gesprochen, nämlich über die Fussballweltmeisterschaft 2010. 32 Nationen kämpfen in einem Turnier um den Titel des Weltmeisters. Alles dreht sich nur noch um das runde Leder und die ganze Welt wird verrückt nach Fussball. Doch weshalb wird dann immer von einem Event gesprochen, wenn es sich doch um ein Fussballturnier handelt? Events sind doch meistens Veranstaltungen wie Konzerte, Parties oder andere Ereignisse, bei denen der kommerzielle Aspekt im Vordergrund steht. Bei der WM 2010 sollte doch eigentlich der Sport, der Spass, die Völkerverständigung, die Freude und der Zusammenhalt im Vordergrund stehen, so wie es von der FIFA angepriesen wird. Ist es vielleicht möglich, dass die FIFA den Hype und die Euphorie um die Weltmeisterschaft bloss nutzt um seine wirtschaftlichen Ideen und Pläne mit Hilfe von Werbung, Sponsoren und Partnern zu verwirklichen? Wie sehr steht der Sport überhaupt noch im Vordergrund und wie stark ist das Turnier heutzutage vom kommerziellen Aspekt beeinflusst?
Vor knapp 90 Jahren wurde die erste Weltmeisterschaft ausgetragen. Seit dem verfällt die Welt alle vier Jahre in eine regelrechte Fussballmanie. Kaum jemand spricht nicht von diesem Ereignis und keine Werbefläche, sei dies nun im Tram, im Zug oder auf öffentlichen Plätzen, bleibt von Sponsoren und Partnern des Turniers, oder Firmen die mit Hilfe von auf den Fussball bezogenen Werbethemen auf den Zug aufspringen wollen, verschont. Die WM ist in aller Munde.
Gemäss FIFA und Sepp Blatter sollte bei der WM 2010 vor allem die Völkerverständigung, die Toleranz und die gemeinsame Freude am Fussball im Vordergrund stehen. Das Turnier sollte ein Turnier der Völker und des Volkes, ein Turnier für jeden, ein Turnier für dich und mich sein. Doch nur schon wenn man einen kleinen Blick auf die Vergabe der Tickets und deren Preise wirft, zweifelt man an dieser Definition des Turniers. Ein Turnier bei dem der Veranstalter vor allem bemüht ist seinen Partnern – in diesem Falle geht es um Grosskonzerne wie Mc Donalds oder Coca Cola – gute Publicity zu verschaffen und bei der Ticketvergabe primär darauf achtet, dass ranghohe Mitarbeiter dieser Firmen auf ihre Kosten kommen, täte man gut daran, dies zu hinterfragen. Als Schweizer sollte man über diese Umstände, wurde doch die Europameisterschaft der Tochterfirma UEFA in der Schweiz ausgetragen, bestens informiert sein. Auch hier war es für den Durchschnittsbürger kaum möglich Tickets zu humanen Preisen zu erwerben. Und dies obwohl das Turnier im eigenen Land ausgetragen wurde.
Die Alternative die einem also bleibt, um das Turnier zu verfolgen ist die TV Übertragung. Und auch hier haben sich der Grosskonzern FIFA und die TV Sender mit Hilfe von Sponsoren und Partnern einen satten Gewinn gesichert. Damit jedoch auch hier der Ruf des Völkerverbindenden Turniers, bei dem Freude, Offenheit und Spass im Vordergrund stehen nicht beschädigt wird, werden die Spiele im Fernsehen mit einigen Sekunden Verspätung übertragen. So ist es den Filmtechnikern der FIFA möglich, Bilder von „unsportlichen“ Fans, pyrotechnischen Aktionen oder Gewalt, welche nicht in ihr Bild des Turniers passen, problemlos vor dem Ausstrahlen zu zensieren, bzw. herauszuschneiden. So wird der Ruf des Turniers aufrecht erhalten und Sponsoren, Kunden und andere kommerzielle Unterstützer des Turniers, oder besser gesagt der Firma FIFA bleiben erhalten.
Ein weiterer Aspekt, der einem an der Vermarktung und der von der FIFA publizierten Prinzipen der WM zweifeln lassen sollten, ist der Umgang der Partnerfirmen der FIFA mit eben diesen Prinzipien. Wäre es nicht ein so ernstes Thema, wäre der Fakt, dass der Konzern FIFA für einen sozialen Umgang, Antirassismus und ein Fussballfest wirbt, bei welchem alle Nationen gleichwertig sind, während Partnerfirmen wie Adidas, oder McDonalds Kinder, bzw. ganze Nationen für die Herstellung ihrer Produkte ausbeuten. Diese paradoxen Umstände haben enorme Grössen angenommen und trotzdem scheinen sie von dem grossteil der Menschen kaum wahrgenommen zu werden. Ich denke hier wäre es wichtig, dass die Menschen einen gesünderen Umgang mit Konsum und eine kritische Haltung gegenüber Werbung, sowie auch den in Werbungen vermittelten Inhalten entwickeln würden. Geschieht dieses Umdenken nicht, sehe ich in naher Zukunft keine Verbesserungsmöglichkeiten für den Umgang der Grosskonzerne mit Entwicklungsländern oder Kinderarbeit. Solange diese Formen der Ausbeutung funktionieren und sogar bei Firmen welche aufgrund ihrer Werbung für einen Event wie die Weltmeisterschaft im öffentlichen Blickfeld stehen, nicht auf Kritik bei der Bevölkerung der westlichen Ländern stossen werden diese Konzerne auch ganz bestimmt keine Änderung an ihren wirtschaftlichen Vorgehensweisen unternehmen.
Es bleibt natürlich festzuhalten, dass trotz allen kommerziellen Umständen bei der Weltmeisterschaft immer noch Fussball gespielt wird und man trotz einer kritischen Haltung gegenüber der Vorgehensweise einiger Grosskonzerne immer noch Spass am Fussball haben kann. Trotzdem sollte man versuchen auch seinen Mitmenschen die Augen für einen kritischen Umgang mit Grossveranstaltungen wie der WM zu öffnen. Man kann ein Turnier wie dieses geniessen ohne dabei blind zu konsumieren und sich von den ganzen Werbungen welche einem im Fernsehen und im öffentlichen Raum schon fast aufgezwungen werden beeinflussen zu lassen. Fussball wird auch vor und nach der WM noch gespielt und wer ein richtiger Fussballfan ist, der sollte es eigentlich nicht nötig haben während der WM ein Vielfaches seines normalen Konsums zu betreiben, bloss um sich unzählige Fanartikel zu kaufen, um damit die Verbundenheit zu seinem Land und zum Sport zum Ausdruck zu bringen. _________________ Gedanken: Forum, Politik, Lifestyle, Gewalt, Konflikte, WM2010
Sehr gut geschriebener Text, nachvollziehbarer Inhalt, aber halt ein persönlicher Gedanke. Denke dass 99,9% der Leser zustimmen werden.
Die Frage der Kommerzialisierung ist aber ein Death-Circle : Wer regiert die Welt ? Derjenige der Geld hat ! Mit Geld kauft man einfach alles ... ich meine nicht nur Güter, sondern auch Personen, Lifestyles und natürlich auch Sport. Sport ist eine lukrative Einnahmequelle geworden, der Return-of-Investment ist leichter gegeben als bei anderen Gütern. Wer Geld hat, will mehr Geld. Die Gier ist unendlich ...
Die Frage die sich einem aufdrängt : Würden wir anders feiern, wenn Coca Cola nicht der Hauptsponsor ist ? Heizen die "Events" nicht sogar die Stimmung positiv auf ? Fallen wir nicht alle auf das hochprofessionelle (und psychologisch gestaltete) Marketing rein ?
Was übrigens nicht heissen soll dass ich diese Form von Kommerzialisierung unterstütze ! Ansonsten, wie gesagt, sehr guter Aufsatz !!
Eins, setzen !! _________________ ... und mehr als BERLINER kann ein Mensch eh nicht werden !!!
LOVE FOOTBALL, HATE FASCISM & ANTIFASCISM !! Schönen Gruss aus der gesellschaftlichen Mitte !!
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