[...] Die Staatsanwaltschaft ist auch in der Berufung mit ihrem Ansinnen gescheitert, sogenannte Drittortschlägereien zwischen "Fußballfans" unter Strafe zu stellen.
"Nicht alles, was geschmacklos und unerwünscht ist, ist auch verboten", sagt Klaus-Günther Helwerth, Vorsitzender Richter der 42. Berufungskammer des Landgerichts Stuttgart. Seine Kammer hat das Urteil des Amtsgerichts Esslingen jetzt bestätigt.
Die Esslinger Richter hatten zwei 32 und 39 Jahre alte Freizeitprügler bereits im Juni 2008 vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen [...]
Die zu klärende juristische Frage lautet: Ist die Zustimmung der einzelnen Prügler zur Teilnahme an den Matches sittenwidrig oder nicht? Wenn ja, dann könnten die verabredeten Schlägereien strafbar sein. In zweiter Instanz haben die Stuttgarter die Sittenwidrigkeit in Abrede gestellt. "Keiner ist gezwungen worden, die wollen alle", sagt Richter Helwerth. Der Bundesgerichtshof (BGH) sagt, man könne nur dann von Sittenwidrigkeit sprechen, wenn Regelverstöße die Regel und schwerste Verletzungen zu verzeichnen seien. "Das war in den zehn Matches, die wir auf Video gesehen haben, nicht der Fall", sagt Helwerth.
Die Prügeleien unterliegen tatsächlich festen Regeln. Die Gruppen bestehen aus 15 bis 30 Mann, es darf nur leichtes Schuhwerk getragen werden, Waffen sind verboten, auf am Boden Liegende darf nicht eingeschlagen werden. Es gibt drei Durchgänge, bei denen sich die Widersacher bis zu zwei Minuten lang attackieren. Ein Schiedsrichter überwacht die Prügelsequenzen. "Regelverstöße einer Stadt machen bundesweit die Runde und werden geächtet", sagt einer der Angeklagten [...]
Grobe Fouls sind nicht die Regel", haben die Richter festgestellt. Auch habe es bei den zehn Matches, die in der Berufung zur Debatte standen, keine Schwerverletzten gegeben. Bilanz: ein ausgekugelter Finger, zwei blau geschlagene Augen, zwei Platzwunden. "Das sind auch nicht alles Hooligans", so Richter Helwerth. Ein Teilnehmer habe sich beispielsweise als "Adrenalin-Junkie" bezeichnet. Beim Match Stuttgart gegen Kassel seien gar Trauzeugen gegeneinander angetreten. "Da geht es zuweilen regelrecht freundschaftlich zu", so der Richter - Umarmungen nach der Schlägerei inbegriffen.
Die Argumentation des Anklägers verfing nicht. Der Staatsanwalt sprach von gezielten Schlägen mit unkontrollierbaren Folgen, es komme regelmäßig zu Angriffen von hinten, zum Teil würden gefährliche Werkzeuge wie Quarzhandschuhe, Stöcke oder um Handschuhe gewickelte Dornen eingesetzt. Das habe sich in der Beweisaufnahme nicht bestätigt, so die Stuttgarter Richter. Deshalb müsse der Freispruch aus der ersten Instanz bestätigt werden, so die Berufungsrichter. "Uns ist bei Hunderten von Verfahren aus ganz Deutschland keine einzige Verurteilung bekannt", sagt Richter Klaus-Günther Helwerth.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart will die Schlägereien, die sogenannte dritte Halbzeit, allerdings obergerichtlich entschieden haben. Deshalb wird sich das Oberlandesgericht Stuttgart in der Revision damit befassen müssen [...]
Wie ich finde, auch wenn es für mich persönlich keinerlei Relevanz besitzt, ein richtiges Urteil / die Bestätigung eines richtigen Urteils.
In der ersten Instanz war, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, ja unter anderem von "Teamkampfsport" die Rede, da es feste Regeln gibt, gleiche Mannschaftsstärken, keine Waffen usw.
Wenn Leute sich gegenseitig freiwillig auf die Mappe hauen wollen, geht das meines Erachtens nach niemanden etwas an.
Tja, wenn sich einer der Klitschkos mit nem Ami prügelt und beide blutige Fressen haben wird das von allen gefeiert. Inklusive der Presse. Wenn ein Arthur Abraham mit gebrochenem Kiefer weitermacht und gewinnt ist er eine Kämpfernatur.
Wenn sich zwei Kämpfer beim Cagefight gegenseitig halbtot schlagen wird das auch nicht als "abartig" abgestempelt. Man muss sich nur mal die vollen Hallen anschauen.
Wieso sollten dann (die Betonung liegt auf) "faire" Matches unter Strafe gestellt werden, bei denen nichts größeres passiert, bei denen der Spass und im Hinterkopf der Schwanzvergleich im Vordergrund stehen.
Am Besten wäre ja die offizielle Gründung einer Liga mit klaren Regelungen, vielleicht wirds dann ja mal olympisch... denke mal im Fernsehen liessen sich die Fights auch gut vermarkten^^
@Frankonia...
Hast du durchaus Recht. Der Unterschied ist, dass das eine seit langer Zeit gesellschaftlich anerkannt und offizieller Sport ist, während das andere erstens schon durch den Fußball(fan)bezug eher negativ gesehen wird und für die meisten halt als rein gewalttätige Sache und nicht als Sport gesehen wird.
sehr gutes urteil, mehr brauch man nicht sagen _________________ "Ich bin nicht anders als andere, sondern langweile mich in meinem öden Job, gehe auf die dreißig zu und lebe nur fürs Wochenende. Gelegentlich Sex, wilde Saufgelage, reichlich Drogen. Und ab und zu schlag ich auch mal jemanden zusammen."
Wenn sich zwei Kämpfer beim Cagefight gegenseitig halbtot schlagen wird das auch nicht als "abartig" abgestempelt.
Genau das wird es aber.
Von allen ? Auch in den Medien ? Nein, das nicht.
Sicherlich gibt es immer einige, die auch so etwas nicht abhaben können. Aber die stehen dann auch nicht auf Boxen und haben sich früher in der Schule immer vor Schneeballschlachten gedrückt
Am Besten wäre ja die offizielle Gründung einer Liga mit klaren Regelungen, vielleicht wirds dann ja mal olympisch... denke mal im Fernsehen liessen sich die Fights auch gut vermarkten^^
@Frankonia...
Hast du durchaus Recht. Der Unterschied ist, dass das eine seit langer Zeit gesellschaftlich anerkannt und offizieller Sport ist, während das andere erstens schon durch den Fußball(fan)bezug eher negativ gesehen wird und für die meisten halt als rein gewalttätige Sache und nicht als Sport gesehen wird.
die Entwicklung zu dritt ort matches ist für die Polizei sicher nicht die aller schlechteste. So können sie den Stress vom Stadion und um den Spieltag vermeiden (zumindest den gröbsten, ist klar das immernoch was passiert).
Im prinzip sind die Treffen Verfassungswidrig, keiner darf sich das recht rausnehmen einen anderen vorsätzlich zu verletzen, nicht einmal wenn dieser mit einem Treffen signalisiert, das er auch dazu bereit ist. Kritisches Urteil, aber eigentlich doch ein "Erfolg".
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